Ataxien
Der Begriff "Ataxie" beschreibt verschiedene Störungen der
Bewegungskoordination und Gleichgewichtsregulation. Diese Koordinationsstörungen finden
sich bei Bewegungen der Augen, der am Sprech- und Stimmakt beteiligten Muskeln, der
Muskeln des Kopfes, des Halses, Rumpfes und der Extremitäten. Ataktische Störungen
treten auf, wenn das Kleinhirnsystem, seine Afferenzen und/oder Efferenzen betroffen sind.
Mit Begriffen wie zerebelläre Ataxie (Affektion des Archi-, Paläo-, Neocerebellumgs
bzw. seiner direkten Afferenzen und Efferenzen), sensible (spinale) Ataxie (Affektion
peripherer Nerven, spinaler propriorezeptiver Bahnen, übergeordneter thalamischer oder
kortikaler Strukturen) oder frontale Ataxie (Affektion kortikopontiner Bahnen) wird die
klinische Symptomatik schwerpunktmäßig charakterisiert.
Man teilt die Ataxien ein in
nicht erblich
- toxisch bedingt
- metabolisch bedingt
- Funikuläre Myelose
- sonstige
- endokrin
- paraneoplastisch
- infektiös
- durch Raumforderung
- durch Demyelinisierung
erblich
- Hereditäre motorische und sensorische Neuropathie Typ I (HMNS I)
- Dyssynergia cerebell. myoclonica
- Friedreich Ataxie
- A-beta-Lipoproteinämie
- Morbus Refsum
- Zerebellare autosomal-dominante (ADCA) und idiopathische (IDCA) Ataxie
- Encephalomyopathien mit Ataxie (siehe dort)
Zerebelläre Ataxie
- vereinfacht gelegen als Zeichen einer archizerebellärer Störung eine globale, d.h.
Rumpf-, Stand- und Gangataxie in alle Richtungen bei geöffneten Augen mit meist
ungerichteter Fallneigung, eine sakkierende Blickfolge und ein durch Fixation nicht
unterdrückbarer vestibulo-okulärer Reflex (VOR) bei fehlender (oder angedeuteter) Ataxie
der Extremitäten. Akute Läsionen verursachen Lage- und horziontalen
Blickrichtungsnystagmus nach ipsilateral.
- Paläozerebelläre Störungen zeichnen sich aus durch eine (Stand- und) Gangataxie nach
vorne und hinten bei noch möglicher visueller Standstabilisierung, unauffälliges Sitzen,
eine Dyssynergia der Beine bei fehlender (oder angedeuteter) Ataxie der oberen
Extremitäten.
- Eine Affektion des Neocerebellumgs ist gekennzeichnet durch (bei einseitiger Läsion
ipsilateral) dys- und hypermetrische Extremitäten- und Augenbewegungen, einen durch
Fixation nicht unterdrückbaren VOR (bei einseitiger Läsion nach ipsilateral),
sakkadierte Blickfolge, Dysarthrophonie, Dysdiadochokinese, pathologisches
Rebound-Phänomen, (ipsilaterale) muskuläre Hypotonie und durch einen Intentionstremor
(proximal kinetischer Tremor) an oberen und unteren Extremitäten.
Sensible (spinale) Ataxie
- die sensible (spinale) Ataxie beruht auf einer Störung der propriozeptiven spinalen
Bahnen und/oder übergeordneter supraspinaler Zentren und ist daher im Gegensatz
zur archizerebellären Ataxie durch das visuelle System kompensierbar (Zunahme der
Ataxie bei Augenschluß im Romberg-Test).
Bei Erkrankungen, die mit ataktischen Störungen einhergehen, wird oft eine Kombination
der geschilderten Zeichen beobachtet. Ataktische Störungen können isoliert oder als
Teilsymptomen-Komplex zusammen mit anderen neurologischen Zeichen auftreten. Sie treten im
Rahmen zahlreicher internistischer und neurologischer, z.T. sehr seltenen Erkrankungen
auf.
Für die Differentialdiagnose empfiehlt sich zunächst die Unterscheidung in erworbene
Ataxie versus erblicher Ataxie. Findet sich kein Hinweis auf eine erworbene Ataxie und ist
andererseits eine erbliche Komponente eruierbar, erfolgt aus klinisch-praktischen Gründen
die weitere Differenzierung nach dem Alter des Krankheitsbeginnes: erbliche ataktische
Störungen (Heredoataxien) lassen sich in der Regel in 2 Gruppen unterscheiden: mit Beginn
vor und nach dem 20. LJ. Die weitere Differenzierung erfolgt nach dem Vererbungsmodus.
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Erbliche Ataxien Funikuläre Myelose sonst. metabol. Ataxie
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