Ateminsuffizienz
Die Ateminsuffizienz ist die vital bedrohlichste Komplikation
motorischer Systemerkrankungen. Bei der ALS tritt sie obligat meist in
fortgeschrittenen Stadien in Erscheinung; in sehr seltenen Fällen kann eine ALS
auch mit einer respiratorischen Insuffizienz beginnen. Bei den anderen Formen (spinale
Muskelatrophie) tritt sie selten und nur in fortgeschrittenen Stadien in Erscheinung.
- tägl. Atemgymnastik
- ggf. hochlagern
- intermittierende (nächtliche) Beatmung über eine Beatmungsmaske
- Der Einsatz der kontinuierlichen Respiratortherapie nach Intubation bzw. Tracheostomie
ist insbesondere bei den rasch progredienten Erkrankungen des fortgeschrittenen
Erwachsenenalters (ALS) nach wie vor sehr problematisch. Diskutabel erscheint diese
Intensivtherapie nur
- bei der Möglichkeit einer Heimbeatmung (vorherige Abklärung des Patienten und der
Angehörigen über die hieraus resultierende Belastung!)
- bei Patienten, die trotz der durch die Beatmung verursachten zusätzlichen
Beeinträchtigung (Anarthrie, Immobilisation) noch über eine gewisse Lebensqualität
verfügen.
- Eine Beatmungstherapie im Terminalstadium motorischer Systemerkrankungen ist nicht
indiziert. Wichtig ist die rechtzeitige schonende Aufklärung des Patienten, zumindest
aber der Angehörigen über die Folgen der Ateminsuffizienz, um unnötige Intubationen bei
akuter Dekompensation zu vermeiden. Entlastend ist für Patienten und Angehörige der
Hinweis, dass ein Großteil aller ALS-Patienten ohne akute Atemnot während des Schlafes
eine terminale CO2-Narkose entwickelt und verstirbt.
Zu beachten ist die Ateminsuffizienz bei allen Patienten, bei denen
eine Operation in Vollnarkose notwendig ist. Wenn möglich, sollte auf eine
Spinalanästhesie ausgewichen werden. Vor einer Operation sollte unbedingt eine
Lungenfunktionsprüfung erfolgen. Patienten, bei den die Vitalkapazität um mehr als 50%
reduziert ist, haben ein erhebliches Risiko. längere Zeit oder dauerhaft
beatmungspflichtig zu bleiben. Grundsätzlich sollten alle Patienten mit motorischen
Systemerkrankungen postoperativ bis zu 48h überwacht werden.
- vertretbar ist die intermittierende Sauerstoffgabe über Nasensonde und eine parenterale
Flüssigkeitszufuhr, evtl. auch Sondenernährung.
- Bei nicht zu beeinflussender Atemnot Anxiolyse und Sedierung z.B. mit
- Dikaliumclorazepat (Tranxilium® 5/10/20mg kps) 5-20mg oder mehr
- Diazepam (Valium®) 5-20mg oder mehr
- Morphinpräparate
Der atemdepressive Effekt dieser Substanzen stellt hierbei keine
Kontraindikation dar.
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