SAB
- Subarachnoidale Blutung:
Es kommt zu Einblutung unter die Leptomeninx, zwischen Arachnoidea und Pia mater.
- Bei ca. 10-12% aller Apoplexien findet man eine SAB.
Ätiologie
- 50% sackförmige Aneurysmen
- arteriosklerotische Aneurysmen
- arteriovenöse Missbildungen
- Tumoren, Sinusvenenthrombosen
- dissoziierende Aneurysmen
- Traumata
- sekundäre SAB
- bei intraparenchymatösen Hirnblutungen
- mykotische Aneurysmen
- keine faßbare Ursache
Diagnostik
25% der Patienten mit SAB werden initial aufgrund einer anderen Diagnose falsch
behandelt!
- Leitsymptome
- plötzlich auftretende, vernichtende,
lokalisierte oder diffuse Kopfschmerz, den die Patienten erstmals erleben
- hinzu kommen
Meningismus, Übelkeit und Bewußtseinsstörungen
- Auslösesituationen sind oft zu eruieren
- wie
das Heben von Lasten
- Defäkation
- Kohabitation
- doch meist
treten SAB ohne besondere Umstände auf
- Papilläre Blutungsherde können auf die Diagnose hinweisen
- Vorboten können sein
- migräneartige Kopfschmerzen
- Augenmuskellähmungen
Folgende diagnostische Schritte sind durchzuführen:
- Nativ-CCT
- Je kürzer das Zeitintervall zwischen dem Ereignis und der
Untersuchung ist, desto höher ist die Chance, freies Blut nachzuweisen.
Wahrscheinlichkeit Blut im CCT zu sehen:
- 1. Tag bis 95%
- 3. Tag 75%
- nach 1 Woche 50%nachzuweisen.
- Lumbalpunktion
- wenn im kranialen Computertomogramm kein Nachweis von
freiem Blut gelingt
- oder kein Computertomogramm zur Verfügung steht
- Diagnosesicherung einer SAB durch
- blutige Punktion (nach mehr als 12 h) bis 2 Wochen)
- xanthochromen Liquors (bis 2 Wochen)
- bei einer traumatischen Punktion empfiehlt sich die Dreigläserprobe
- Bei einer SAB
bleibt der Liquor in allen drei Gläsern gleichmäßig blutig
- darüber hinaus ist
artifiziell blutiger Liquor nach der Zentrifugation bis auf den Bodensatz immer klar und
farblos
- Zerebrale Angiographie
- in den ersten 72 h besteht das Hauptrisiko in einer
Rezidivblutung: Letalität 50%
- daher: man strebt schnellen Nachweis
der Blutungsquelle an, um ggf. das Aneurysma frühzeitig operativ
auszuschalten
- 10% der
Frühangiographien liefern falsch negative Befunde
- bei neg. Frühangio:
-
Wiederholungsangiographie nach 3-4 Wochen
- nach dem 3. Tag der Blutung
sollte der Zeitpunkt der Angiographie von den klinischen Befunden, der transkraniellen
Dopplersonographie (Vasospasmus) und dem möglichen Operationszeitpunkt abhängig gemacht
werden.
Schweregrade der SAB nach Hunt und Hess 1968
Grad I
Asymptomatisch oder geringe Kopfschmerzen und leichte Nackensteifigkeit
Grad II
Mäßiger bis schwerer Kopfschmerz, Nackensteifigkeit, Hirnnervenparesen
Grad III
Somnolenz, Verwirrtheit, leichtere Herd-Symptome
Grad IV
Sopor, mäßige bis schwere Hemiparese, vegetative Störungen,
Grad V
Koma, Streckspasmen
Therapie
Die Therapie der SAB besteht in der Prophylaxe und Behandlung der Komplikationen:
- Nachblutung
- Vasospasmus
- akuter Hydrozephalus
- Hirndruck
- operative
Ausschaltung der Blutungsquelle
In den ersten Tagen der Blutung liegt das Hauptrisiko in der Nachblutung. Deswegen sind
Situationen, die eine Erhöhung des Blutdrucks auslösen, strikt zu vermeiden. Besonders
nach dem 3. Tag kann ein Vasospasmus mit der Gefahr einer sekundären zerbersten Ischämie
auftreten. Daneben kann es durch Blutkoagel zu einer Verlegung der Liquorabflußwege
kommen, die zu einem Hydrocephalus occlusus führen.
Konservative Therapie
- Bettruhe: Abschirmung von Außenreizen
- Analgesie
- Opiate (z.B. Dolantin® 25-50-100mg s.c.
- oder Temgesic® 0,2-0,4mg
sublingual, 0,3-0,6mg i.v.);
- CAVE: Acetylsalicylsäure kontraindiziert wegen Förderung der
Blutungsneigung.
- Stuhlregulierung, etwa mit Lactulose
- Sedierung bei psychomotorisch unruhigen Patienten
- z.B. Diazepam 10mg)
- CAVE: erschwert frühzeitiges Erkennen einer Befundverschlechterung
(z.B. aufgrund von Nachblutung,
Vasospasmus oder Hirndruck)
- Nimodipin-Behandlung
- A/D: Nimotop® 10mg/50ml
- zur Prophylaxe des Vasospasmus
- initial 1mg/h
- dann
2mg/h (d.h. 5 bzw. 10ml/h) mit Perfusor über einen möglichst proximalen
Zugang
- Verlaufskontrolle der Strömungsgeschwindigkeit mittels TC
- Nach frühestens 10-14 Tagen
in Abhängigkeit von den TCD-Befunden Umstellung auf 6x60mg/d Nimotop® oral für eine
Woche.
- NW: Blutdruckabfall, Tachykardien, Bradykardien,
Thrombophlebitiden.
- Nimotipin ist venentoxisch, daher sollte man bei peripherer i.v. Gabe gleichzeitig
Glucose 5% oder Ringer mit 40ml/h via 3-Wegehahn mitlaufen lassen.
- Blutdruckregulierung
- der systolische Wert sollte zwischen 120-160mmHg liegen
- reicht Nimodipin nicht aus:
- kontinuierliche Blutdrucksenkung mit Urapidil
- Ebrantil® 3Amp je 50mg auf 50ml 3-10ml/h
- bei Bewußtseinstrübung: Intensivüberwachung
- Anfallsbehandlung
- Hirndruckbehandlung
- Thromboseprophylaxe: ab dem 2.Tag nach SAB mit Low-dose-Heparin (z.B.
Fraxiparin® 0,3 1x/d s.c.)
- In seltenen Fällen (erfolglose medikamentöse Therapie, neurologische
Ausfallserscheinungen durch Vasospasmus ohne Hypodensitäten im CCT) Versuch
einer Ballonkatheterangioplastie (Aufdehnung der vasospastischen Stenose mit einem Ballon)
- Die Prophylaxe der Nachblutung mit antifibrinolytisch wirksamen Substanzen wie
Aminocapronsäure und Tranexamsäure gilt als obsolet, da ihre Anwendung zu einem
vermehrten Auftreten von ischämischen Komplikationen führt.
Operative Therapie
Aneurysma
- Es besteht die Alternative zwischen der Frühoperation innerhalb der ersten 3 Tage,
bevor das Risiko des Vasospasmus zunimmt, und der Spätoperation etwa nach dem 14. Tag.
- Bei Patienten mit einer SAB hat sich die klinische Schweregradeinteilung nach
Hunt und
Hess (siehe oben) eingebürgert. Patienten deren Symptomatik nach Hunt und Hess zwischen Grad I und III
liegt und die innerhalb von 72h nach SAB zur Aufnahme kommen, sollten einer Frühoperation
unterzogen werden.
- Soporöse oder komatöse Patienten (Grad IV-V) sollten eine operative
Ventrikeldruckmessung erhalten und früh operiert werden, wenn der Hirndruck unter 30cm
H2O abgesenkt ist. Bei bestehendem Vasospasmus (TCD) sollte i.d.R. keine Angiographie oder
Operation wegen der erhöhten Komplikationsrate erfolgen. Bei inperablem Aneurysma ist
eine Sondierung des Aneurysmas und ein Verschluß des Lumens mit Embolisationsmaterialien
erfolgversprechend. Langzeitergebnisse zu diesen Verfahren stehen aber derzeit noch aus.
Angiome
- In den meisten Fällen wird man Angiome erst mehrere Wochen nach der Blutung im
Intervall operieren, da hier frühe Blutungsrezidive selten sind. Falls eine Resektion
oder eine Unterbindung der zuführenden Gefäße nicht möglich ist, wird eine
Protonenbestrahlung in speziellen Zentren bei tiefliegenden Angiomen mit einem Durchmesser
< 2cm oder eine superselektive Katheterembolisation und ihrer Zuflüsse empfohlen.
Diese Verfahren können kombiniert werden. Prinzipiell sollte man zwischen der Gefahr
einer Spontanblutung und dem Operations-/Behandlungsrisiko abwägen.
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