Tumoren des ZNS
Chemotherapie
Bei der Chemotherapie maligner Gliome ergab sich bislang keine sicher wirksamere
Behandlungsform als die Monotherapie mit dem Nitroseharnstoff BCNU. Bei der postoperativen
Therapie mit BCNU allein oder zusätzlich zur Bestrahlung zeigte sich, dass sich damit die
mediane Überlebenszeit nur geringfügig verlängert, der Anteil längerfristig
Überlebender aber doch deutlich größer wird. In der bestrahlten und chemotherapierten
Gruppe überleben nach 10 Monaten und auch am Ende des Beobachtungszeitraumes nach 2
Jahren 15-20% mehr Patienten als in der nur bestrahlten Gruppe. Bei etwa 30% der Patienten
hatte die Chemotherapie allerdings keinen Effekt auf die Überlebenszeit. Nur Procarbazin
und 2 weitere Nitroseharnstoffe (Methyl-CCNU, Streptozotocin) erwiesen sich dem BCNU
gegenüber als etwa gleichwertig. Ein weiterer Nitroseharnstoff, TCNU (Tauromustin) erwies
sich bei malignen Gliomen ebenfalls als wirksam. Cyclophosphamid und Vincristin zeigten
als kombinierte Therapie Wirkung bei Gliomrezidiven. Polychemotherapien wie BCNU und
Procarbazin oder BCNU und Hydroxyurea erachten gegenüber der BCNU-Monotherapie keinen
signifikanten Vorteil.
An möglichen Nebenwirkungen stehen bei BCNU-Therapien Knochenmarkstoxizität sowie
eine interstitielle Pneumonie mit Verschlechterung der Lungenfunktion und unter Umständen
letaler Lungenfibrose im Vordergrund. daher ggf. Ausweichen auf weniger pulmotoxisches
ACNU. Bei Procarbazin kann es ebenfalls zu Auswirkungen auf die Hämatopoese sowie zu
erheblicher Nausea kommen. Die folgende Übersicht enthält genaue Angaben zur
Chemotherapie mit BCNU und Procarbazin bei hirneigenen Tumoren.
- Die Überlebenszeiten bei Pat. mit Hirnmetastasen unterscheiden sich nicht
von einander, unabhängig der Therapieform
- alleinige Operation
- Strahlentherapie
- Chemotherapie
- jedoch auch
- jede Therapieform ist besser als keine Therapie
- Kombinationstherapie (z.B. Bestrahlung und Polychemotherapie, je nach
Primärtumor) hat evtl. bessere Ergebnisse als die Monothperapie von
Hirnmetastasen
Chemotherapie mit ACNU und Procarbazin [nach Krauseneck 1986]
ACNU
- 100mg/m2 u.v. Tag 1-3
- Beginn: 2./3. Woche postoperativ nach Wundheilung gleichzeitig Bestrahlung
- Wiederholung: alle 6-8 Wochen, wenn
- Leukozyten >4000/mm3
- Thrombos > 100.000/mm3
- Lungenfunktion ausreichend
- Kontrollen
- Blutbild und Thrombozyten 1x/Woche
- Leber- und Nierenwerte sowie Lungenfunktionsprüfung vor jeder Applikation
- Dosisreduktion: auf 75%, wenn
- Leukozyten < 1500/mm3
- Thrombozyten <50.000/mm3
- Grenzwerte für Lungenfunktion:
- Diffusionskapazität 50% des Solls
- Vitalkapazität 50% des Solls
- Therapieabbruch, wenn diese Werte unterschritten werden oder Belastungsdyspnoe ohne
Zeichen kardiopulmonaler Erkrankung auftritt.
Procarbazin
- 150mg/m2 oral Tag 1-28
- Beginn: 2./3. Woche postoperativ nach Wundheilung gleichzeitig mit Bestrahlung alle 8
Wochen.
- Wiederholung: alle 8 Wochen, wenn
- Leukozyten >3000/mm3
- Thrombozyten >75.000/mm3
- Kontrollen
- Blutbild mit Thrombozyten 1x/Wochen
- Leber- und Nierenwerte alle 2 Wochen
- Dosisreduktion: auf 2/3 wenn
- Leukozyten < 2500/mm3
- Thrombozyten <50.000/mm3
Regionale Chemotherapie
Als regionales Chemotherapieverfahren ermöglicht die intraarterille Behandlung via A.
carotis deutlich höhere Wirkstoffkonzentrationen im erkrankten Gewebe.
In mehreren, meist jedoch kleineren Untersuchungen konnte über ein Ansprechen
hirneigener Tumoren auf Zytostatika wie BCNU und auch Cisplatin berichtet werden.
An Komplikationen zeigten sich Einschränkungen der Nierenfunktion, Hörstörungen,
retinale Läsionen (bei Injektion unterhalb des Abgangs der Arteria ophthalmica).
Insbesondere BCNU hatte neurotoxische Nebenwirkungen.
Als weiteres lokales Verfahren wurde die Implantation von biologisch abbaubaren
BCNU-Trägern in die Tumor-Resektionshöhle entwickelt. Eine plazebokontrollierte Studie
ist initiiert.
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