Epilepsie - Therapie
Chirurgische Therapie
Bei fokalen Epilepsien, die pharmakoresistent sind (trotz guter Patienten-Compliance 2
4 Jahre erfolglose Behandlung mit geeigneten Antiepileptika in Mono- und
Kombinationstherapie in ausreichender Dosierung), kommt eine operative Therapie in Frage.
Der durch die Operation zu erwartende Erfolg sollte größer als das entstehende Risiko
und zu erwartende neurologische Ausfälle sein. Der Eingriff sollte möglichst frühzeitig
erfolgen, jedoch warten die meisten Chirurgen den Eintritt der Pubertät ab. Als obere
Altersgrenze wird das 40. 50. LJ, als längste Krankheitsdauer bis zu 15 20
J akzeptiert. Der Patient sollte motiviert und kooperationsfähig sein.
Sorgfältige Voruntersuchungen sind unumgänglich. Sie sollten in einem Zentrum für
epilepsiechirurgische Therapie durchgeführt werden (in Deutschland z.Zt. in Bethel, Bonn,
Erlangen, Göttingen, München). Neben genauer Anamnese und neurologischer und
neuropsychologischer Untersuchung werden EEG, Schlafentzugs-EEG, Langzeit-EEG,
Video-Doppelbildaufzeichnung, EEG-Mapping, frühe und evtl. späte evozierte Potentiale
durchgeführt, die bei unklarem Fokus mit speziellen Elektroden (sphenoidale,
Foramren-ovale-, epidurale, subdurale und Tiefenelektrodenableitungen, auch iktal) und
Provokation (pharmakologische und elektrische Stimulierung) erweitert werden können.
Bildgebende Verfahren wie CCT mit spezieller Schichtung und MR sind obligat anzuwenden;
Angiographie mit Wada-Test, SPECT und PET kommen in Betracht.
Der Wada-Test
..gibt weitere Information über die Sprach- und Gedächtnistragende Hemisphäre. Über
einen Femoraliskatheter werden in die A. carotis interna der Fokusseite 100 125 mg
Amytal injiziert und dabei die oben genannten Funktionen neurophysiologisch geprüft.
Die Eingriffe zielen auf die Entfernung des epileptogenen Fokus oder auf eine
Unterbrechung der epileptischen Erregungsausbreitung
Methoden
Anteriore Temporallappenresektion
Auf der dominanten Seite werden 2 4cm, auf der Gegenseite 4 6cm des
Temporallappens entfernt.
Selektive Amygdalo-Hippokampektomie
Auch stereotaktisch durchführbar. Besonders schonendes Verfahren, wobei nur ein
kleiner Teil des Cortex geschädigt wird. Zusammen mit der anterioren
Temporallappenresektion machen diese Eingriffe 70 75% aller Epilepsieoperationen
aus, wobei > 80% der Patienten anfallsfrei werden oder eine wesentliche bessere
Anfallskontrolle haben.
Topektomien und Lobektomien
Durch subpiale Cortexresektion bei extratemporalen Anfällen (meist frontal und
okzipital). Ergebnisse sind weniger erfolgreich.
Hemisphärenektomie
Hemikortektomie. Bei Kindern mit infantiler Hemiparese oder chronisch-progredienten
Enzephalitis einer Hemisphäre (Rasmussen-Syndrom: meist EPV, HSV I + II als Erreger) oder
Sturge-Weber-Syndrom indiziert. Eine gute Anfallskontrolle wird bei > 90% der Patienten
erreicht mit weitgehender Rückbildung der postoperativen Paresen später einsetzender
Entwicklung von Intelligenz und Sprachfunktion, auch bei Ektomie der dominanten
Hemisphäre.
Kallosotomie
Meistens werden die vorderen ein bis zwei Drittel der Corpus callosum bei multifokalen
Epilepsien und bei Sturzanfällen durchtrennt. Bei bis zu 70% der Patienten signifikante
Besserung durch Unterbindung der Sturzanfälle und der Generalisation der Anfälle; die
partiellen Anfälle bleiben aber meist unverändert.
Stereotaktische Operationen
Über verschiedene stereotaktische Methoden stehen noch zu wenig verwertbare Daten zur
Verfügung, sodaß eine objektive Beurteilung nicht möglich ist. Erfolge sind derzeit nur
bei der Amygdalotomie (bei Mandelkernepilepsie) und der o.B. Amygdalo-Hippokampektomie
nachgewiesen.
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