Polyneuropathien bei monoklonaler Gammopathie
Monoklonale Gammopathien können zu Polyneuropathien führen. Die dabei gefundenen
Immunglobuline haben teilweise Antikörpereigenschaften gegen Bestandteile peripherer
Nerven. Es werden Plasmozytome (Myelome) vom Typ IgG, IgA, IgD und IgE unterschieden,
daneben die Makroglobulinämie Waldenström (Typ IgM) sowie die benignen essentiellen
Gammopathien vom IgG-, IgA- oder IgM-Typ.
Ätiologie
Diese ist nicht vollständig geklärt, bei den IgM-Gammopathien konnte ein
Makroglobulin identifiziert werden, das Antikörpereigenschaften gegen Myelin-assoziiertes
Glykoprotein (MAG) hat. Daneben gibt es Antikörpereigenschaften gegen Ganglioside und
Chondroitinsulfat. Bei den IgG- und IgA-Gammopathien sind umschriebene
Antikörpereigenschaften nicht sicher nachgewiesen.
Klinik
Bei etwa 10% der Patienten mit monoklonalen Gammopathien kommt es als Erstmanifestation
der Erkrankung zu klinisch manifesten Polyneuropathien, häufig mit überwiegend sensiblen
Symptomatik, hartnäckigen Parästhesien und Dysästhesien. Bei den IgM-Gammopathien und
den osteosklerotischen Myelomen sind aber auch vorwiegend motorische, wie akute GBS
verlaufende Polyneuropathien berichtet worden, die der Myelomdiagnose um Monate
vorausgehen können. Diagnostisch beweisend ist der Befund der Immunelektrophorese.
Therapie
- Die medikamentöse Behandlung der Polyneuropathie entspricht der Therapie der
Grundkrankheit. Bestrahlung für die solitären Plasmozytome, kombinierte immunsuppressive
Therapie mit Melphalan und Prednisolon für die multiplen Myelome. Als Standard gilt die
Intervalltherapie mit Melphalan (Alkaran®) 0,25mg/kgKG + Prednisolon (Aprednisolon®)
1mg/kgKG für 4 Tage. Wiederholung nach 6 Wochen.
- Zusätzlich im Intervall Prednisolon (Aprednisolon®) 1mg/kgKG/d p.o.
- Bei einer Verschlechterung der Polyneuropathie Plasmaaustauschbehandlung mit einem
Austausch von je 2l Plasma in 5-8 Austauschbehandlungen innerhalb von 14 Tagen.
- Bei den benignen Gammopathien mit einer Polyneuropathie muß der Einsatz der
Immunsuppressiva vom Ausmaß der Polyneuropathie und deren Progredienz abhängig gemacht
werden: Prednisolon (Aprednisolon®) 1-2mg/kgKG/d für mindestens 4 Wochen, Reduktion
über Monate.
- Evtl. Kombination mit Azathioprin (Imurek®) 2-3mg/kgKG/d.
- Bei schwer verlaufenden progredienten Polyneuropathie Plasmaaustauschbehandlung
oder Immunadsorptionsbehandlung
- Bei der Makroglobulinämie Waldenström Intervallbehandlung mit Chlorambucil
(Leukeran®) 8mg/qm Körperoberfläche/d und Prednisolon (Aprednisolon®) 30mg/qm
Körperoberfläche/d; alternativ Dauertherapie mit Chlorambucil (Leukeran®)
0,1-0,2mg/kgKG/d oder Cyclophosphamid (Endoxan®) 2mg/kgKG/d
- Bei IgM-bedingten Hyperviskosität oder Kryoglobulinämie Plasmaaustausch. Im Falle
benigner monoklonaler IgM-Gammopathie auch Immunadsorption.
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