Myofasziale
und pseudoradikuläre Syndrome
Myofasziale Schmerzsyndrome entstehen aus einer primären Fehlbelastung der Muskeln und
Sehnenansätze. Wegen der spinalen Konvergenz mit kutanen Afferenzen kommt es zu
Übertragung des Sinneseindruckes in Dermatome, so dass sich der Begriff
pseudoradikuläres Syndrom eingebürgert hat. Typischerweise sind die Schmerzen durch
bestimmte Manöver auszulösen oder zu verstärken, wobei die charakteristischen
radikulären neurologischen Defizite fehlen. Oft finden sich beim gleichen Patienten
solche Beschwerden in Kombination mit oder als Folge radikulärer Reizsyndrome
(Lumbagosyndrom) oder in der Folge einer Diskusoperation, was die Diagnostik erschwert.
Myofasziale Schmerzen kommen jedoch nicht nur im Bereich der dauertonisierten
Achselmuskulatur, sondern z.B. auch im Schulter-Nacken-Bereich und im Gesicht
(Kaumuskulatur) vor.
Therapie
- Am aussichtsreichsten ist die konsequente krankengymnastische Behandlung zur dauerhaften
Korrektur der primär funktionellen Über-/Fehlbelastung der Muskulatur und
Sehnenansätze.
- Als nebenwirkungsarme Methode hat sich die transkutane elektrische Nervenstimulation
(TENS) bewährt. Die krankengymnastische Therapie wird dadurch erleichtert.
- Die medikamentöse Behandlung beschränkt sich im wesentlichen auf die peripher
angreifenden Analgetika und Antiphlogistika. Wegen der guten Steuerbarkeit ist neben
vielen anderen Diclofenac (Voltaren®) 3x50mg/d (max. 250mg/d), ein Mittel der 1. Wahl.
Nicht-steroidale Antirheumatika mit langen Halbwertszeiten, z.B. aus der Gruppe der
Piroxicam (Felden®) bringen die Gefahr einer schwer kontrollierbaren Akkumulation bei
Nierenfunktionsstörung mit sich. Cave bei älteren Patienten: Magenulzera!
- Blockaden, Infiltrationen oder Quaddel-Injektionen s.c. oder i.m. dienen kurzfristigen
und raschen Beschwerdelinderung, sind jedoch nicht auf Dauer wirksam. Mit Bupivacain
(Carbostesin®) erreicht man Wirkungszeiten von 8-12h. In diesem Zeitraum kann wiederum
besser krankengymnastisch behandelt werden.
- Bei Therapieresistenz: Epidurale
Infiltration
- lokale Infiltration mit Lidocain (Xylocain® 2%)
- Coctail (auf 10ml mit NaCl 0,9% auffüllen):
- 1 A Celestan® (Betametason)
- 1 A Tramal® (Tramadol)
- 2m Carbostesin® (Bupivacain) 0,5%
- 1 A Catapresan® (Clonidin)
- Epiduralnadel mit aufgesetzter NaCl 0,9% Spritze auf Höhe L4/L5 vorschieben bis NaCl
sich leicht spritzen läßt, ohne dass Aspiration möglich ist (kein Liquor!) dann
ist man im richtigen Raum. Aufsetzen der Coctail-Spritze, langsam spritzen.
- nach der Infiltration ist der Pat. meist beschwerdefrei (für Stunden oder beständig).
Pat. soll herumgehen.
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