Tumoren des ZNS

Strahlentherapie

Externe Bestrahlung

  • mit äußeren Strahlenquelle

Interstitielle Bestrahlung

  • durch Einbringen radioaktiver Strahler in den Tumor mittels stereotaktischer Technik

Die Bestrahlung des ZNS erfolgt in den meisten Fällen nach der Operation. Es sind dabei folgende Besonderheiten zu berücksichtigen:

  • neben einigen strahlensensiblen Tumoren wie z.B. das Medulloblastom gibt es eine Reihe weniger strahlensensibler Tumoren, z.B. differenzierte Astrozytome.
  • Das umliegende gesunde Hirngewebe weist gegenüber Bestrahlung eine relativ hohen Empfindlichkeit auf, wobei sich die einzelnen Hirnabschnitte diesbezüglich unterscheiden; so ist der Hirnstamm empfindlicher als z.B. das Frontalhirn. Auch das Myelon zeigt eine geringe Strahlentoleranz. die Toleranz hängt ab von der Gesamtdosis, der Größe des bestrahlten Hirnvolumens sowie von Häufigkeit und Dosishöhe der Einzelfraktionen. Man kann zwischen Strahlenfrüh- und –Spätschäden unterscheiden. Bei den rasch auftretenden Bestrahlungsfolgen steht neben den Auswirkungen auf Haut und Hautanhangsgebilde das Hirnödem im Vordergrund. Die mit einer Latenz von wenigen Monaten bis zu einigen Jahren auftretenden Strahlenspätschäden können sich als Gefäßnekrose, sowie als Schädigung insbesondere der weißen Substanz manifestieren. Ausgedehnte, strahlenbedingte Gehirnnekrosen, die raumfordernd wirken können, stellen eine bedrohliche Komplikation dar und machen unter Umständen ein operatives Eingreifen notwendig. Insgesamt gelten aber schwerwiegende Strahlennekrosen bei den gängigen Dosen (40-50Gy auf das gesamte Gehirn in 5 Wochen, zusätzliche, umschriebene Dosiserhöhung um 15-20Gy) als seltene Komplikation.
  • Die genaue Abgrenzung des Tumors zum gesunden Gewebe ist häufig schwer zu ermitteln. Grundsätzlich konnte festgestellt werden, dass die postoperative Strahlentherapie zu einer längeren Überlebenszeit als die alleinige chirurgische Behandlung führt.
  • Eine Dosiserhöhung von 50-60Gy auf 60-70Gy bei malignen hirneigenen Tumoren, sowie die Wirkung strahlensensibilisierender Substanzen wie Trijodthyronin, Misonidazol, Bromodeoxyuridin oder Metronidazol werden unterschiedlich beurteilt.
  • Eine Sonderform perkutaner Strahlentherapie stellt die stereotaktisch gezielte, extrem fokussierte, hochdosierte Einzelbestrahlung intrakranieller Läsionen dar.
  • Indikationen für diese sog. "Radiochirurgie" sind insbesondere zerberste arteriovenöse Malformationen, relativ strahlenresistente Prozesse wie Meningiome, Kraniopharyngiome sowie auch solitäre Hirnmetastasen wenig strahlensensibler Primärtumoren. neben der seit langem eingesetzten Stockholmer Kobalt-60-Einheit sowie der Postoner Zyklotron-Anlage gibt es auch im Heidelberger Krebsforschungszentrum eine nach den oben genannte Prinzipien arbeitende Bestrahlungsmethode, die Photonen-Konvergenz-Bestrahlung. Bei solitären, inoperablen Metastasen konnte in relativ kurzer Zeit in 85% ein befriedigender palliativer Effekt erreicht werden. Bei arteriovenösen Malformationen kam es in 46% der Fälle zu kompletter, in 17% zu partieller Obliteration. Hauptkomplikation ist das, unter Umständen schwere, perifokale Ödem.
  • Neben den externen Bestrahlungstechniken ermöglicht das stereotaktische Einbringen radioaktiver Isotope in den Tumor die Radiotherapie von intrakraniellen Neoplasien. man unterscheidet eine stereotaktische intrakavitäre Curie-Therapie mit radioaktivem Kolloid (z.B. bei Kraniopharyngiomen) und eine stereotaktische interstitielle Curie-Therapie bei Hirntumoren. Letztere kann als Permanent-Implantation oder als Brachy-Curie-Therapie mit kurzzeitiger Einführung eines Strahlers in den Tumor erfolgen. Diese Technik findet nach Diagnosesicherung, in der Regel durch stereotaktische Biopsie, ihre Anwendung; diese insbesondere bei tiefliegenden, balkennahen und medio-temporalen Tumoren sowie Tumoren und Zysten des Zwischen- und Mittelhirns, des Hirnstamm- und Brückenbereiches. Diagnosesicherung durch stereotaktische Biopsie und Implantation von radioaktiven Strahlern sind in einer Sitzung möglich. Genaue Dosimetrie ermöglicht, verglichen mit der perkutanen Strahlentherapie, eine bessere Schonung des umliegenden gesunden Hirngewebes. Die permanente Implantation und damit die Langzeitbestrahlung erfolgt wegen der langsamen Zellteilung bei niedriggradigen Prozessen und ermöglicht, besser als die zyklisch erfolgende externe Bestrahlung, die Zerstöurng langsam proliferierender Tumorzellen. Bei den inoperablen Tumoren der Mittellinie wird die stereotaktische, interstitielle Curie-Therapie nach stereotaktischer Biopsie als Behandlungsmethode der Wahl angesehen.
  • Als weiteres Bestrahlungsverfahren findet die intrathekale Gabe kolloidaler Radioisotopenlösungen (Gold 198 oder Yttrium 90) zur Prophylaxe (akute myeloische Leukämie) oder Therapie (Non-Hodgkin-Lymphom, Medulloblastom-Metastasen) der intrathekalen oder meningealen Tumoraussaat Anwendung, ggf. auch Versuch mit radioaktiven Isotopen die an Antikörper gekoppelt sind.
 

 

"Strahlentherapie" auf www.neuroscript.com - letzte Änderung am 17.11.2007;  Webmaster: Dr. Wolfgang Kubik (Neurologe)  - Dieses Skriptum ist ausschließlich für Ärzte und Medizinstudenten gedacht. Sind Sie Laie oder suchen Sie Hilfe als Patient, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens - nähere Info siehe Haftung.
Information über Rehabilitation finden Sie ab Oktober 2007 unter www.neuroreha.info