Syringomyelie
Bei der Syringomyelie kommt es zur Bildung eines spalt- oder röhrenförmigen
Hohlraumes im Rückenmark, der über mehrere Segmente reicht, bevorzugt zervikal
lokalisiert ist und sich bis zum kaudalen Ende des Rückenmarks ausdehnen kann. Bei der
Syringobulbie finden sich diese Veränderungen im Bereich der Medula oblongata und können
bis zur Pons reichen.
Ätiologie
Es gibt eine Reihe von Hypothesen, die in diesem Rahmen nicht alle aufgeführt werden
können. Erwähnt werden soll die häufig zitierte hydrodynamische Theorie von Gardner,
nach der es durch eine gestörte Liquorzirkulation aus dem 4. Ventrikel und Übertragung
arteriellen Druckes auf den Liquor wohl über eine Hydromyelie zur Syringomyelie kommen
soll. Von Williams wurde diese Theorie modifiziert, wobei an die Stelle arteriellen
Druckes ein Gradient zwischen intrakraniellem und spinalem venösem Druck einerseits und
Liquordruck andererseits tritt.
Klinik
Die Syringomyelie ist oft vergesellschaftet mit der Chiari-I-Malformation, seltener
auch mit basaler Arachnitis. Häufig fand sich bei diesen Patienten anamnestisch eine
schwierige Geburt bzw. ein Geburtstrauma. Nach einem spinalen Trauma kann sich oberhalb
der Stelle des Traumas eine Syrinx entwickeln. Zusätzlich fallen bei den betroffenen
Patienten dysrhaphische Zeichen, wie z.B. Spina bifida, basale Impression, spitzer Gaumen,
Kyphoskoliosen usw. auf. Pathologisch-anatomisch findet sich eine flüssigkeitsgefüllte
intramedulläre Höhle, die am häufigsten quer von einem Hinterhorn zum anderen reicht
und sich gegen die Commisura anterior ausdehnt. In der Umgebung sind Ganglienzellen und
Neuroglia degenerativ verändert. Hinzu kommt eine Fasergliose; nur bei Verbindung zum
Zentralkanal sind Teile der Höhlenwand mit Ependym ausgekleidet.
Häufiges und oft auch initales Symptom sind meist zervikobrachial lokalisierte
Schmerzen; die Symptomatik kann sich lange Zeit darauf beschränken. Hinzu können
zentrale Paresen mit Pyramidenbahnzeichen, Sensibilitätsstörungen, die oft dissoziiert
sind, aber auch alle Qualitäten betreffen können, nukleäre Paresen und Atrophien,
segmentale sensible Störungen, vegetative und trophische Störungen mit Arthropathien und
ossären Destruktionen kommen. Differentialdiagnostisch sind insbesondere zystische
Tumoren mit syrinxähnlicher Konfiguration, eine Hämatomyelie sowie die Hydromyelie,
lediglich eine Erweiterung des Zentralkanals, abzugrenzen.
Therapie
Allgemein gültige Richtlinien zur Therapie lassen sich derzeit nur schwer festhalten.
Die Resultate verschiedener Therapieverfahren sind aufgrund unterschiedlicher
Indikationsstellungen, unterschiedlicher Zusammensetzung der Patienten und verschiedener
Nachuntersuchungskriterien nur eingeschränkt vergleichbar. Eine Reihe von operativen
Methoden findet ihre Anwendung mit dem Ziel der Dekompression. Perkutane Punktion und
Aspiration ist gefolgt von erneuter Füllung der Höhle bei bestehender Kommunikation mit
Ventrikelsystem oder subarachnoidalem Raum. Zur Ableitung über einen Shunt sind mehrere
Methoden beschrieben. Ein Shunt kann syringoarachnoidal oder syringoperitoneal angelegt
werden, auch die syringopleurale Ableitung kommt zur Anwendung. Bei vorliegender
Chiari-Malformation kann im Bereich des Foramen magnum eine Dekompression erfolgen. Bei
einer Übersicht von Patienten, die einen syringoperitonealen Shunt erhielten, zeigt sich,
dass Schmerzen am besten beeinflußbar waren, während sich motorische und sensible
Defizite am wenigsten bessern ließen. Die Indikation zur Operation besteht insbesondere
bei Patienten mit schnell zunehmenden neurologischen Defiziten oder Schmerzen.
Aufgrund der besseren Ergebnisse mit weniger ausgeprägten neurologischen Defiziten
wird in der Literatur auch zum frühen operativen Eingriff geraten. Insbesondere die
Schmerzen lassen sich auch durch eine Strahlentherapie beeinflussen, mit zunehmenden
Fortschritten bei der operativen Behandlung dürfte diese Methode jedoch in den
Hintergrund rücken.
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