Schmerzsyndrome Thalamussyndrom und andere zentrale Schmerzsyndrome

Durch Läsionen in Systemen, die inhibitorisch in die Schmerzkontrolle eingreifen, kann es zu einer ungehemmten Entstehung von schmerzen bereit s auf geringste periphere Stimuli hin kommen. Hyperpathie und Alodynie weisen Merkmale solcher Disinhibition auf. Typische vaskuläre, traumatische oder iatrogene Läsionen an bestimmten inhibitorischen Bahnen führen zu therapeutisch fast unzugänglichen Schmerzzuständen wie Thalamusschmerz, Wurzelausriß oder Anaesthesia dolorosa.

Die genannten zentralen Schmerzsyndrome besitzen stets eine starke psychische Komponente, der Patient wirkt gereizt, depressiv, mürrisch. Dies macht die Differentialdiagnose einer primären oder sekundären psychischen Störung im Einzelfall oft schwierig. Nicht zuletzt deshalb ist ein Therapieversuch mit einem Psychopharmakon in allen diesen Fällen erforderlich. Die Kombination eines Antidepressivums mit einem Neuroleptikum (z.B. Saroten® + Haldol®; Anafranil® + Haldol®) ist hier gelegentlich sinnvoll.

In den letzten Jahren wurde ein primär als Antiepileptikum im Einsatz befindliches Medikament (Gabapentin) zunehmend als wirksam im Bereich der neuropathischen Schmerzen eingesetzt. Es hat mittlerweile eine feste Stelle im Bereich der Therapie zentraler Schmerzsyndrome.

Therapie

  • Gabapentin 300mg 3x1 bis max 3600mg/d
  • Amitriptylin (Saroten® ret) 50-150mg/d
  • Clomipramin (Anafranil®) 50-150mg/d
  • Haloperidol (Haldol® ca. 3x x 10gtt (=3x1mg)
  • Levomepromazin (Nozinan®) 3 x 10gtt
  • Die Implantation einer thalamischen Stimulationssonde wird beim Wurzelausriß von einigen Zentren angeboten und scheint in etwa der Hälfte der Fälle Besserung zu bringen. Kontrollierte Studien über den Langzeitverlauf oder Vergleichsstudien sind selten oder fehlen. Bei der Indikationsstellung muß unbedingt vorher der psychogene Anteil eingeschätzt werden, besonders bei Anaesthesia dolorosa und Thalamusläsionen. thalamische Stimulationssonden sind nur bei Ausfall eines "hemmenden Systems" wirksam; bei Rezeptorschmerz stimuliert man im periaquäduktalen Grau.
 

 

"Thalamus-Schmerz" auf www.neuroscript.com - letzte Änderung am 17.11.2007;  Webmaster: Dr. Wolfgang Kubik (Neurologe)  - Dieses Skriptum ist ausschließlich für Ärzte und Medizinstudenten gedacht. Sind Sie Laie oder suchen Sie Hilfe als Patient, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens - nähere Info siehe Haftung.
Information über Rehabilitation finden Sie ab Oktober 2007 unter www.neuroreha.info