Kapitel: Bewegungsstörungen (inkl. Parkinson) Tics

Definition

  • abrupte, sich unregelmäßig und schnell wiederholende Bewegungen oder Lautäußerungen
  • als unvermeidbar empfunden
  • können verschieden lange unterdrückt werden

Ätiologie

Die Ursache der Tic-Störung sowie der Tourette-Störung ist nicht geklärt. Neuere genetische Untersuchungen weisen darauf hin, dass Tic-Störungen durch ein dominantes Gen vererbt werden. 60% der Tourette-Patienten weisen eine positive Familienanamnese für Tics auf. Die Vererbung erfolgt jedoch mit einer sehr unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Penetranz und Expression (Frauen sind weniger häufig betroffen als Männer, leiden dafür häufiger an der vergesellschafteten Zwangsneurose). Man nimmt an, dass ein Tourette-Patient eine etwa 50%-ige Chance aufweist, das Gen einem seiner Kinder zu vererben.

Klinik

Manche Patienten erleben sie als unwillkürlich, andere als noch willkürlich, aber unabwendbar wie ein Zwang. Ein Teil der Patienten zeigt vor Auftreten der Tics zunehmendes lokalisiertes Mißempfinden (Jucken, Kribbeln, Brennen). Diese Mißempfindungen werden als sensorische Tics interpretiert. Die Aktion der  Tics werden vom Betroffenen als Reaktionsmöglichkeit auf diese Mißempfindung gesehen (Augen: Blinzeltics, Rachen: Räuspertic etc.). Eine unnötige Therapie wäre beispielsweise ein funktionelles medikamentöses oder chirurgisches Intervenieren (z.B. Adenotomie bei Räuspertics).

Man unterscheidet chronische und transitorische Tic-Syndrome. Transitorische Tic-Syndrome während der Kindheit sind häufig. Es ist wahrscheinlich, dass sowohl die chronischen wie die transitorischen Tic-Syndrome abortive Formen der Tourette-Störung darstellen.

Therapie

Die meisten Menschen mit Tics oder einer Tourette-Störung sind oft relativ wenig beeinträchtigt und benötigen keine medikamentöse Behandlung. Wichtig ist eis Eltern, eventuell auch Lehrer, über die Natur der Störung aufzuklären:

Wenn die Symptomatik der Erkrankung vom Patienten selbst oder von anderen als so bizarr, störend und sogar erschreckend erlebt wird, dass sie das jeweilige Individuum sehr beeinträchtigt, kann eine medikamentöse Behandlung notwendig werden.

  • Neuroleptika gehören zu Tic-reduzierende Pharmaka, wie
    • Haloperidol (0,25mg-2,5mg/d zur Nacht)
    • Pimozid (Orap® tbl 1mg, 4mg forte tbl) einschleichend 0,5- 1,5mg/die F EKG-Kontrolle!
    • Fluphenazin (A: Dapotum® A, tbl)
    • NW: Müdigkeit und nachlassende Motivation bei Schulkindern sind jedoch oft therapielimitierend. Risiko eines tardiven Dyskinesie-Syndroms.

Für die oft vergesellschaftete Zwangsneurose sind Neuroleptika wenig effektiv.

  • Weniger nebenwirkungsreich, aber auch weniger wirksam sind:
    • Clonidin (Catapresan®, einschleichend 0,05-0,3mg 3 x /d
    • Tetrabenazin (D: Nitonam® F medikamentöse Therapie der Dystonien)
    • Tiaprid (A: Delpral®, einschleichend 150mg/d) bei Kindern
    • Sulpirid (A: Dogmatil® 50mg kps u. 200mg tbl, A: Meresa® 100mg A, 50mg kps, 100mg kps, 200mg tbl)
  • Benzodiazepine können hilfreich sein
    • besonders Clonazepam
  • Psychotherapie
    • psychotherapeutische Verfahren – insbesondere verhaltens-therapeutischer Natur, um Tic-verstärkende Situationen besser zu meistern – sollten erworben werden.

Sonderform der Tics

Tourette-Störung

 

 

"Tics" auf www.neuroscript.com - letzte Änderung am 17.11.2007;  Webmaster: Dr. Wolfgang Kubik (Neurologe)  - Dieses Skriptum ist ausschließlich für Ärzte und Medizinstudenten gedacht. Sind Sie Laie oder suchen Sie Hilfe als Patient, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens - nähere Info siehe Haftung.
Information über Rehabilitation finden Sie ab Oktober 2007 unter www.neuroreha.info